LuttaDada 2

Das LuttaDada kann sich freuen. Endlich ist es soweit, endlich ist das Jahr 2017 angebrochen – sein Jahr! Das LuttaDada wird wachsen und gedeihen, denn mit jeder neuen Jubiläumsaktion, die sich die LuttaDadaisten ausdenken aus Anlass dieses 500jährigen Dingsbums, wird es an Bedeutung gewinnen. Die LuttaDadaisierung wird die ganze Welt erfassen! Jawohl, das LuttaDada ist inzwischen anmaßend genug, die Herrschaft über die Welt ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Was ein TrumpDada kann …

Die ersten Anzeichen dieser Weltherrschaft sind unübersehbar. Oder ist irgendjemand der Meinung, es sei ein Zufall ist, wenn eine Gedenkmünze mit dem LuttaDada geprägt werden? Nicht irgendwelche Gedenkmünzen, nein! Auf dieser sieht man das LuttaDada als Superman (oder besser Lutherman) über das Schloss Stolberg fliegen. Da bedarf es keiner weiteren Erläuterung!

Nach dieser eher ungewohnten Art der Fortbewegung beißt das LuttaDada zur Stärkung werbewirksam mit breitem Grinsen, strahlenden Zähnen und einem Gesichtsausdruck, der übergroßen kulinarischen Genuss vermitteln soll, in die neue Luther-Salami. Exklusiv hergestellt von der Firma Naturfleisch Überweißbach. In Bibelform mit aufgedruckter Lutherrose! Auch im Internet zu bestellen! Sola scriptura geht ab sofort durch Magen und Darm!

Derart gestärkt kann sich das LuttaDada der medialen Meute stellen. Jawohl, das LuttaDada hat seine Scheu vor dem öffentlichen Auftritt abgelegt, hat sich aus der Deckung der Reformatoreneinsamkeit herausgewagt, um den ganz großen Medienhäusern exklusive Interviews zu gewähren, die dazu angetan sind, die Welt in ihren Grundfesten zu erschüttern. Denn merke: Wer 95 Thesen kann, kann auch visionäre Interviews! Wir haben uns dazu nur mit ausgewählten Medienpartnern zusammengetan. Ein Interview gibt es daher – wenig überraschend – zu sehen beim Zeitungsverlag Waiblingen, das andere beim unvergleichlich einflussreichen Nachrichtenportal Rhein-Neckar „morgenweb“ (das man irritierenderweise auch noch abends konsultieren kann; nun ja).

Wogegen sich das LuttaDada aber mit aller Vehemenz wehren möchte, ist eine Verbindung mit Ronald Pofalla. Das geht nicht! Ein Pofalla kann nicht in Wittenberg den neuen Bahnhof eröffnen, der für das LuttaDada gebaut wurde. Das will das LuttaDada nicht! Und wenn das LuttaDada etwas nicht will, dann wird es auch nicht geschehen. Auch nicht in der Vergangenheit! Es wird also auch nicht geschehen sein! LuttaDadaisten werden diesen Bahnhof nicht benutzen! Sie werden zu Fuß gehen oder Wittenberg weiträumig umfahren, sie werden mit dem Fallschirm abspringen oder einen Tunnel durch das Erdreich graben, aber sie werden keinen pofallaisierten Bahnhof ansteuern. Das LuttaDada hat gesprochen!

Die gewonnene Zeit bei der Vermeidung dieses Bahnhofs lässt sich sinnvoll investieren bei der Beschreibung eines Wunders. Und nun sage bloß niemand, Wunder könne man entweder nur erleben oder bewirken, aber nicht beschreiben. Die Gemeinde Tambach-Dietharz ist da ganz anderer Meinung! Dort soll das LuttaDada nämlich im Jahre des Herrn Eintausendfünfhundertsiebenunddreißig von einem Leiden an den Nieren geheilt worden sein. Aber wie nur geschah dieses Wunder? Und wie konnte es geschehen, obwohl das mit dem Wunderglauben im LuttaDadaismus ja so eine ganz eigene Sache ist? Einigen ordentlich angestellten LuttaDadaisten scheint diese Frage keine Ruhe zu lassen. Pfarrer Gregor Heidbrink aus Finsterbergen – wir alle kennen seinen Krimi „Der gute Mensch von Düsteroda“ – hat mit einigen wackeren Mitstreitenden einen Preis ausgelobt, mit dem ein Text ausgezeichnet werden soll, in dem das Geheimnis kriminalschriftstellerisch gelüftet wird. Das LuttaDada ist insbesondere erfreut über den Abgabetermin für die Texte: 1. April 2017!

Krimis gut und schön – aber muss eine so todernste Sache wie die weltweite Verbreitung des LuttaDadaismus unbedingt auf das Niveau von Kinderspielzeug herabgedrückt werden? Ist denn nur noch Spaß angesagt, wenn es um fundamentale Fragen wie das Seelenheil geht? Es scheint so. Möge es der angemessenen Infiltrierung der Jungendbewegung des LuttaDadaismus (JLD) dienen. Das LuttaDada gibt es nun als „Quiz zu Kirche, Kultur und Konfessionen“. Das LuttaDada gibt es als „Martin Luther – Das Spiel“ mit Proviantkarten, Erfahrungssteinen, Abdeckplättchen, Porträtplättchen, Wegeringen und – besonders einladend – ‚Cranach malt‘-Plättchen. Auf die existentielle Dimension des reformatorischen Vorgangs wird zumindest insofern hingewiesen, als unter Dreijährige an diesem Spiel nicht beteiligt werden sollten. Verschluckungs- und Erstickungsgefahr! Ein Tiefpunkt papistisch-dadaistischer Propaganda ist allerdings das Spiel „Mea Culpa“. Dort, so musste das LuttaDada erfahren, wird doch allen Ernstes um die möglichst gelungene Art des Ablasshandels gestritten, mit der man sich der Himmelspforte nähern soll. Das lehnen wir ab! Dieses Spiel wird sofort verboten! Die Mission des LuttaDada ist noch lange nicht beendet!

Auch heute will das LuttaDada nicht darauf verzichten, einige Veranstaltungshinweise zu geben. Dieses Mal: Das Weltereignis in Blaubeuren! Es locken lustige Liederabende unter dem Motto „Luthers Laute“. Heranwachsende aus der Blaubeurer Jungschargruppe haben spezielle Angebote vorbereitet (auch wenn man hier noch nicht spezieller werden wollte). Außerdem fragt man in Blaubeuren investigativ nach: Ein Bilderverbot in der Bibel? Bedauerlich ist allerdings, dass man sich ansonsten vor Ort vor allem auf den Dialog mit den Menschen freut. Traurig, traurig, unter welchen Ausgrenzungserfahrungen die Tierwelt bei diesem Reformationsjubiläum einmal mehr zu leiden hat. Und was bei den 500-Jahr-Feierlichkeiten niemals und unter gar keinen Umständen fehlen darf, auch nicht in Blaubeuren, ist das Herzstück einer jeden Reformationsjubiläumsveranstaltung, die Krone in jedem Gemeindeprogramm: Kochen wie zu Luthers Zeiten! Guten Appetit!

Lang lebe das LuttaDada!

 

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