LuttaDada 3

Das LuttaDada mag sich kein Urteil darüber erlauben, ob das Gebaren einer Obrigkeit korrekt ist oder nicht. Aber das LuttaDada weiß, dass eine Obrigkeit grundsätzlich hinzunehmen ist, ob nun von Gott oder vom Demos oder von wem auch immer eingesetzt. Daher will das LuttaDada mit kräftiger Stimme bestätigen, dass der neuen Gefahrenabwehrverordnung der Stadt Wittenberg unbedingt Folge zu leisten ist, so wie sie zum 22. März Anno Domini 2017 in Kraft treten wird. Mögen die ordnungsgefährdenden Massen, die in diesem Jahr millionenfach über diese bedauernswerte Kommune herfallen werden, wenigstens die Kassen des Kämmerers ordentlich füllen. Einige reformationsjubiläumsrelevante Widrigkeiten wurden anlassbedingt nochmals verteuert. So müssen alle, die Brunnen, Denkmäler, oder Bäume erklettern, um das LuttaDada besser sehen zu können, ab sofort 30 Euro berappen; das Füttern von Tauben, um das LuttaDada friedlich und gnädig zu stimmen, kostet ebenfalls 30 Euro; das Zelten oder Übernachten in öffentlichen Grünanlagen, um dem LuttaDada stets nahe zu sein, wird mit 50 Euro Buße belegt; und der Verkauf von Waren aller Art, insbesondere von nicht genehmigten Reformationsdevotionalien, macht nochmals 30 Euro. Nur damit das klar ist.

Aber nicht nur die kleine, auch die mittelgroße Politik wendet sich dem LuttaDada zu. Nach diversen Regierungschefs, Präsidentinnen, sogar monarchischen Hoheiten und eben auch dem Wittenberger Ordnungsamt entschloss sich nun auch Thomas Röwekamp, seines Zeichens Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bremer Bürgerschaft, dem Wirken des LuttaDada einige Zeilen im Weser-Kurier zu widmen. Durchaus Löbliches hatte er dort zu verkünden. Wichtigste Forderung des nicht gerade thesenschwachen ehemaligen Innensenators: Bremen darf nicht weiter das Schlusslicht bleiben! Erst recht nicht in Sachen Feiertage! Denn die Hansestadt hat die wenigsten Feiertage aller Bundesländer! Eine weitere Benachteiligung, wenn nicht sogar Beleidigung der urbanen Schönheit in der norddeutschen Tiefebene! Deswegen wäre es nur gerecht, den Reformationstag nicht nur 2017, sondern zumindest in Bremen dauerhaft zu einem arbeitsfreien Tag zu machen. Wacker gesprochen! Der Segen des LuttaDada ist erteilt!

Röwekamp geht jedoch fehl mit seiner Begründung, warum es ausgerechnet dieser Feiertag sein soll: „Wir verdanken der Reformation, dass in unserem Kulturkreis heute Meinungs-, Rede- und Glaubensfreiheit Grundrechte sind.“ Da muss das LuttaDada energisch widersprechen! Das LuttaDada mag ja für einiges gesorgt haben, aber sicherlich war es nie der Meinung, dass alle ihre eigene Meinung haben und auch noch frei äußern sollten – und schon gar nicht sollten sie ihren individuellen Glauben artikulieren können! Wo käme das LuttaDada denn hin, wenn alle teuflischen Papisten, verderbten Wiedertäufer, fehlgeleiteten Zwinglianer, verstockten Juden, aufmüpfigen Bauern und rebellischen Thomas-Müntzer-Anhänger mit einem Mal ebenso recht hätten wie das LuttaDada selbst?! Alle anderen dürfen sich gerne und freimütig äußern, solange es im Sinne des LuttaDada geschieht. Feiertag genehmigt!

All das Jubilieren und Feiern hat aber auch seine Schattenseiten. In der Stadt Jessen, in der unmittelbaren Nähe Wittenbergs gelegen, machen sich Sorgen breit. Denn es drängt sich untrüglich die Frage auf, wie sich die Feuerwehren der Region sinnvoll in das Sicherheitskonzept rund um das große Jubiläum, insbesondere während des großen Festgottesdienstes, einbringen können. Der Bürgermeister von Annaburg, Klaus-Rüdiger Neubauer, meinte in diesem Zusammenhang, „in keinem Fall dürfe an der Grundsicherung geschraubt werden.“ Denn auch in den Nachbargemeinden Wittenbergs, wie zum Beispiel Annaburg, müsse für den Notfall ausreichend Personal und Technik vorhanden sein.

Das LuttaDada sagt: An den Jubiläumsfeierlichkeiten darf aber auch nicht geschraubt werden! Dem LuttaDada, was dem LuttaDada gebührt! Und dazu gehören auch jede Menge Feuerwehren! Denn wie Bürgermeister Neubauer festgestellt hat: Es bleiben nur noch wenige Monate, um die nötigen Absprachen zu treffen. Die Zeit bis dahin, so der Wortlaut des stilistisch tiefschürfenden (wirklich sehr tief schürfenden) Zeitungsartikels, „würden sehr anstrengend und auch sehr emotional.“ Das kann das LuttaDada durchaus nachfühlen, schließlich steht es ja selbst mittendrin, in all den Aufregungen um das Reformationsjubiläum. Und es freut sich schon über eine große Ansammlung emotionalisierter Feuerwehrleute aus dem Wittenberger Umland!

Die Mitteldeutsche Zeitung, der obige Feuerwehrmeldung entnommen ist, hat sich in ähnlicher Weise wie einstmals das LuttaDada dem mächtigen Medium des Buchdrucks bemächtigt, um seine Verlautbarungen in die Welt zu schicken. Das LuttaDada wollte mit seiner Publikationspolitik aber keineswegs bezwecken, dass sich alle ohne Unterschied des veröffentlichten Worts bedienen, ohne offensichtlich genauer darauf zu achten, was dort geschrieben steht. Denn eines sollte sich insbesondere die Mitteldeutsche Zeitung hinter die geknickte Seitenecke schreiben: Was einmal gedruckt in der Welt ist, lässt sich nicht mehr zurücknehmen! Insbesondere im Zusammenhang mit der Stadt Jessen gelingt es diesem Zeitungsorgan eher selten, publizistische Preziosen zu produzieren. Und diese Ausfälle muss das LuttaDada nicht goutieren, selbst (und gerade) wenn es um die Sache der Reformation geht!

Daher möchte ich mit meinem lieben Kollegen TrappatoniDada sagen: Was erlauben Katharina Stahn? (Und falls Sie Katharina Stahn nicht kennen, dann geht es Ihnen wie dem LuttaDada selbst.) Denn Frau Stahn, selbst ernanntes Model mit „Erfahrungen als Gastgeberin“,  hat in der Exerzierhalle von Wittenberg eine „atemberaubende Show“ veranstaltet unter dem Motto „Reformation meets Fashion & Style“ samt der Möglichkeit, „Party zu feiern oder sich in einer Lounge-Ecke zum Quatschen zurückzuziehen oder sich mal eine Beauty-Anwendung zu gönnen“, wie der Beitrag der Mitteldeutschen Zeitung zu verkünden weiß. Stargast ist ein gewisser Keith Tynes, der als Musiker „Erfolge praktisch in der ganzen Welt“ feierte (auf die unpraktischen Erfolge bleiben wir gespannt), und zwar in dieser Reihenfolge (die sich das LuttaDada nicht schöner hätte ausdenken können): „New York, London, Amsterdam, Berlin, Singapur und auch in Wittenberg.“ Ein Welterfolg in Wittenberg! Der erste seit 1517! Das LuttaDada staunt Bauklötze.

Ebenfalls für Unterhaltung „mit musikalischer Spaßgarantie“ soll ein Wittenberger Künstler sorgen, der sich (kein Quatsch) Jan von Suppengrün nennt und der (ebenfalls kein Quatsch) ernsthaft von sich behauptet: „Mein Name ist Programm.“ Na dann, guten Appetit! Stellt sich nur noch die Frage, was das alles mit Reformation zu tun hat. Die Antwort ist recht einfach: nichts. Weitere Niveauabsenkungen im Zusammenhang mit dem Jubiläumsgeschehen wird das LuttaDada zu verhindern wissen. God is on our side!

Bevor wir aber gänzlich in Trübsal verfallen, zum Abschluss noch der obligatorische Programmhinweis zur angemessenen Verehrung des LuttaDada. Diesmal aus einem Ort, dessen Namen man kaum schöner erfinden könnte: Neu Wulmstorf! Dort werden reformwillige Fitness-Einsteiger gesucht (sic! ein Scherz so ganz nach dem Geschmack des LuttaDada), die unter der Anleitung von Lauftrainer Ingolf Böhme nicht nur ihren Körper, sondern auch ihren Geist der Sache des LuttaDada unterwerfen wollen. Passenderweise ist es die örtliche Luther-Kirchengemeinde, die dieses großartige Angebot aufgelegt hat. Acht Wochen lang sollen Anfänger durch die Fischbecker Heide laufen. An Zwischenstationen wird es Wissenswertes über Martin Luther geben, und zwar von Ingolf Böhmes „Co-Trainer“, Pastor Dr. Florian Schneider. Man wird dann wohl erfahren, welches die favorisierten Laufschuhe des Reformators waren, wie es mit seinen Zeiten beim Halbmarathon aussah und wie er sich ernährungsmäßig für das Lauftraining vorbereitete. Schürzt die Talare und schwingt die Schenkel!

Lang lebe das LuttaDada!

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