LuttaDada 5

Man mag es für möglich halten oder nicht, aber selbst ein LuttaDada muss Leib und Magen zusammenhalten. Ganz recht, das LuttaDada schmaust und speist und mampft – und zwar recht gerne, wie man anhand der leiblichen Fülle erkennen kann, die auf so vielen hundert Bildern aus der Werkstatt des CranachDada dokumentiert ist. Aber inzwischen fällt es dem LuttaDada nicht mehr leicht, zu entscheiden, was es essen soll. Es gibt nicht nur so viel, es gibt auch so viel Falsches, und zwar Falsches, das als solches nur schwer zu erkennen ist. Zum Beispiel Teigwaren. Welch köstliches Exempel menschlicher Ingeniösität! Und was kann man damit alles falsch machen.

Thomas Pforte von der Wittenberger Werbeagentur S. Pforte hatte beispielsweise die großartige Idee, das Antlitz des LuttaDada in Hartweizenteigwarenform zu bannen, um Menschen die Möglichkeit zu eröffnen, dieses Produkt unter Zuhilfenahme kochenden Wassers der Bissfestigkeit zuzuführen und anschließend zu verspeisen. Ein dadaistischer Akt par excellence!

Die Gutting Pfalz-Nudel GmbH mit Sitz in Großfischlingen – wie man nicht gesondert erwähnen muss, der unangefochtene Marktführer im Segment Designnudeln – kam auf die gleiche Idee. Großartig! Eine dadaistische Parallelaktion! Oder liegt hier ein Fall von Produktklau vor? Die Wittenberger „Luther-Nudel“ und die pfälzische „Pasta Martin Luther“ sehen sich auf jeden Fall täuschend ähnlich. Es wird zu einem Rechtsstreit kommen, bei dem gänzlich undadaistisch entschieden werden soll, wer in dieser Angelegenheit Originalität für sich beanspruchen kann.

Sollte das Nudelgericht also aufgrund juristischer Differenzen vorerst ausfallen müssen, lässt sich alternativ auf die Tütensuppe zurückgreifen. Heinz Wulf und Karolina Huber aus der Schweiz hatten wohl den ganz starken Eindruck, das Reformationsjubiläum sei zu kopflastig und gerate zu intellektuell (seltsam, gerade diesen Eindruck hatte das LuttaDada bisher eigentlich nicht), es müsse vielmehr hinaus zu ‚den Menschen‘, zu denjenigen, die nicht ins Museum gehen und nicht den wissenschaftlichen Vorträgen lauschen. Wulf und Huber wollten die frohe Botschaft an alle verbreiten, Und was bietet sich da eher an als Tütensuppen!

So kann man jetzt in der Migros, der größten Supermarktkette der Schweiz, Tütensuppen käuflich erwerben, auf denen Comic-Versionen der Reformatoren Calvin, Luther und Zwingli prangen, jeweils versehen mit einem lateinischen Lehrspruch aus der sola-Reihe: sola fide, sola gratia, sola scriptura. Da kann das LuttaDada doch nur applaudieren, wenn die zentralen Aussagen Martin Luthers nun auch noch den anderen Reformatoren untergeschoben werden. Eine gewisse Kopflastigkeit täte dem Reformationsjubiläum also doch ganz gut, zumindest bevor man den falschen Personen die falschen Zitate auftütet.

Möchte man sich nach all diesen Beschwernissen des Verdauungssystems etwas Gesundes gönnen, könnte der herzhafte Biss in einen frischen Apfel das Richtige sein. Und wenn schon, dann doch gleich ein Martin-Luther-Apfel. Aber halt, nicht ganz so schnell, erst muss der Martin-Luther-Apfelbaum gepflanzt werden, wie er von der Barnimer Baumschule angeboten wird. Wen kümmert’s, dass gar nicht klar ist, ob Luther jemals den Satz von dem Apfelbäumchen und dem Weltuntergang gesagt hat, gut luttadadaistisch kann man ja trotzdem was draus machen. Und um der bedeutungsschwangeren Symbolik noch die Baumkrone aufzusetzen, sollen es auch genau 95 Bäume sein, um gebührend an die Dada-Thesen gegen den Ablass zu erinnern und reformatorische Überzeugungen auch in der Gegenwart wurzeln zu lassen. Das war dem LuttaDada gar nicht klar, dass es den Ablass immer nicht gibt und dass man immer noch gegen ihn kämpfen muss. Wie auch immer, jeder der 95 Bäume kommt mit einer von Luthers Thesen daher. Man kann sich sogar seine Lieblingsthese aussuchen! Baum plus These plus Projekt-Zertifikat kosten in der limitierten Reformationsserie 500 €.

Und was darf zum Schluss unserer kulinarischen LuttaDada-Reise nicht fehlen? Das deutscheste aller Lebensmittel, das einem bei übermäßigem Genuss auch das Leben verkürzen kann, das Bier. Lutta-Dada-Biere waren hier schon einmal Thema, nun hat auch die Gemeinde Homberg nachgelegt. „Reformator“, so heißt das Ergebnis, das nicht als Bier, sondern – gut antiquarisch – als „Gerstentrunk“ bezeichnet werden will. Wohlan!

Und warum wird im Namen des LuttaDada ein solches Gebräu hergestellt? Nun, aus dem gleichen Grund, aus dem es den ganzen anderen Dada-Nippes gibt – um das Thema der Reformation endlich einmal aus den verstaubten Büchern und den langweiligen Hörsälen herauszuholen, um es den Museen und den Spezialisten zu entreißen und endlich zu ‚den Menschen‘ zu bringen. Lasst uns über die Reformation lernen beim Tütensuppenschlürfen und Biersaufen. Das LuttaDada ist sich sicher, dass all die Seelenheilsuchenden dort draußen bei ihrem verzweifelten Umherirren, dass all die Beladenen beim Flehen um einen gerechten Gott nach der einen oder anderen Flasche „Reformator“ endlich finden werden, wonach sie so lange gesucht haben.

Bei all diesen wichtigen, ernsthaften und tiefgründigen Aktionen, die der Sache des LuttaDada dienen sollen, kommt dem solcherart Geehrten zuweilen doch ein schlimmer Verdacht. Könnte es sein, dass es vielleicht doch nicht nur um die ernsthafte Verbreitung des LuttaDadaismus geht? Diesbezüglich äußerte sich Astrid Mühlmann, Geschäftsführerin der staatlichen Geschäftsstelle „Luther 2017“. Sie behauptet, das LuttaDada sei ein „Geschenk für Marketingexperten“. Es stehe nämlich nicht allein für die Reformation, sondern habe zusätzlich alles, was einen „spannenden Werbeträger“ ausmache. Das LuttaDada habe, so Mühlmann, einprägsame Bilder produziert (Thesen mit Hammer an Tür nageln – und zwar live und in Farbe!), habe eine spannende Geschichte hingelegt (Kirche spalten, Nonnen heiraten, Teufel mit Tinte bewerfen) und sei durch einen zerrissenen Charakter geprägt gewesen.

Das LuttaDada muss zugeben, dass es das nicht geahnt hat. Eigentlich wollte es gut dadaistisch nur ein wenig die angenommenen Sinnhaftigkeit der Welt durcheinanderbringen. Nun muss es feststellen, dass damit vor allem Geld verdient werden soll.

Zum Schluss gilt es daher den Großen, Goldenen LuttaDada-Spezialpreis am Bande für kulturpolitische Gelassenheit zu verleihen, und zwar an die Stadt Erfurt und insbesondere an ihren Kulturdirektor Tobias Knoblich. Denn Erfurt und Knoblich (oder Knoblich und Erfurt) haben sich in diesen Tagen etwas getraut, das sich in dem ganzen Jubiläumsklimbim kaum jemand zu trauen scheint: Sie lassen es bleiben. Sie verzichten. Sie pfeifen drauf. Sie können ohne die ganz große Luther-Sause, machen nur eine kleine Ausstellung zur Luther-Rezeption in den Jahren 1917 (400. Reformationsjubiläum) und 1983 (500. Geburtstag Luthers), die auch nur von April bis Juni 2017 dauert. Ansonsten machen sie nicht mit bei dem, was unser Preisträger, Herr Knoblich, einen Überbietungswettbewerb in Sachen Reformationsjubiläum genannt hat.

Wie außergewöhnlich diese Nicht-Handlung und Nicht-Nachricht ist, wird schon durch die Tatsache belegt, dass sie eine eigene Zeitungmeldung wert ist. Aber anstelle einer knappen Benachrichtigung sollten – so verfügt es das LuttaDada – deutschlandweit ausgiebige Lobeshymnen auf Tobias Knoblich und die Stadt Erfurt gesungen werden. Denn aus diesem Beispiel lässt sich lernen: Man kann Kulturpolitik auch dadurch gestalten, dass man sich einer wesentlichen menschlichen Eigenschaft bedient, nämlich nicht immer nur Dinge anpacken zu müssen, sondern sie auch mal sein lassen zu dürfen. Let it be! Eine solche Einsicht, etwas früher und von ein paar mehr Menschen getroffen, wäre der Qualität des Jubiläumsgeschehens sicherlich zuträglich gewesen.

Lang lebe das LuttaDada!

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LuttaDada 4: Das Spezial für junge Leser

Liebe Kinderinnen und Kinder, werte Heranwachsende! Das LuttaDada will sich heute insbesondere an Euch wenden. Schließlich schielt der große Reformationsjubiläumsdadaismus auch in Eure Richtung. Und auch wenn Ihr Noch-nicht-Erwachsenen in Sachen Dada als praktische Lebensform die wahren Experten seid, muss das LuttaDada trotzdem einige sachdienliche Hinweise loswerden. Denn dort draußen gibt es Zeitgenossen, die geneigt sind, Euch mit Erwachsenenkram genau diesen Dadaismus auszutreiben.

So muss das LuttaDada mit Ingrimm feststellen, dass kindlich-jugendlicher Dadaismus von manchen politisch vereinnahmt werden will. Die deutsch-nationale Facette des politischen Spektrums hat sich bisher im Reformationsjubiläum ja eher zurückhaltend ausgenommen. Nun aber, da es mit dem Frühjahr in die heiße Phase des Jubiläumstamtams geht und nicht nur die Blümelein, sondern auch die Lutheralia aus allen erdenklichen Ecken sprießen, nun entdecken auch die Rechten dieses Thema für sich.

Die Zeitung „Junge Freiheit“ besitzt einen eigenen Buchdienst. Als einen der regelmäßigen Autoren kann das LuttaDada unschwer Karlheinz Weißmann ausmachen. Nun mögen sich die lieben Kleinen fragen, wer denn dieses Weißmann ist und ob man es kennen muss. Nein, man muss das Weißmann nicht kennen, es sei denn, man hat als heranwachsender Jungdadaist das zweifelhafte Vergnügen, in die Schule gehen zu müssen, in der dieses Weißmann als Lehrer für Geschichte und Religion angestellt ist. Ansonsten kann man darauf verzichten, die in Kreisen der Neuen Rechten durchaus prominente Figur näher kennenlernen zu wollen. Man darf sich der Unkenntnis der unter seinem Namen veröffentlichten Bücher rühmen, die so wohlklingende Titel tragen wie „Die Zeichen des Reiches. Symbole der Deutschen“, „Druiden, Goden, weise Frauen. Zurück zu Europas alten Göttern“, „Die Besiegten. Die Deutschen in der Stunde des Zusammenbruchs“, „Das Hakenkreuz. Symbol eines Jahrhunderts“ oder „Faschismus. Eine Klarstellung“. Liebe kindliche Freunde des LuttaDada, bedient Euch in Eurer reich bestückten Bibliothek lieber weiterhin aus sämtlichen Werken von „Das kleine Arschloch“, damit ist Eurer Charakterbildung eher gedient.

Sollte, liebe Prä- und aktiv Pubertierende, nun aber ein missliebiger Verwandter auf die Idee verfallen, Euch beispielsweise zu Ostern das neueste Werk von das Weißmann als schokoladenbefreites Kuckucksei ins Nest zu legen, dann seien Euch auf diesem Weg schon einmal einige Warnhinweise vor der Benutzung mit auf den Weg gegeben. Schließlich muss sich das LuttaDada in diesem Jahr des Jubiläumswahnsinns schon genug gefallen lassen, da braucht es nicht auch noch eine Darstellung für „junge Leser“, die uns den Reformator als „Propheten der Deutschen“ verkauft. Da kann das LuttaDada nur mit seinem alten Freund und Kupferstecher Giovanni Trappatoni ausrufen: Was erlaube Weißmann?! Nicht genug, dass Martin Luther auf dem Cover des Buchs mit einem hässlich ausgestreckten rechten Arm abgebildet ist, auch was man von den bildlichen Inhalten dieser Publikation erahnen kann, gemahnt an eine Mischung aus Geschichtsklitterung des 19. Jahrhunderts und Pegida. Da waren wir schon mal weiter, muss das LuttaDada feststellen!

Und dann noch diese Verlagsankündigung! Selbstverständlich muss dort als erstes erwähnt werden, dass der große Original-Martin die Bibel „ins Deutsche“ übersetzt habe. Außerdem sei er seinen Weg „entschlossen gegangen“, „unbekümmert um das, was andere Leute sagten“, und er „kämpfte unerschrocken für die Freiheit des Gewissens“. Das Fazit: „Luther ist ein großer Deutscher. Ein Nationalheld“.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die aktuelle inhaltliche Gestaltung dieses Jubiläumsdingsbums solchen Deutungen Vorschub leistet. Das LuttaDada muss schon seit geraumer Zeit mit Schrecken feststellen, dass es aus allen möglichen politischen Richtungen zum Zwecke der kollektiven Identitätsbildung vereinnahmt werden soll (Sprache-Freiheit-Neuzeit-Deutschland-Blabla). Daher, lieber führerscheinlose und nicht wahlberechtigte Ursprungsanarchisten, lasst es Euch gesagt sein: Weniger Vorsicht in der Porzellankiste, dafür mehr Obacht beim Versuch der Vereinnahmung von Vergangenem für gegenwärtige politische Zwecke. Egal von wem.

Das Weißmann treibt es da besonders bunt, auch wenn das LuttaDada nur einen oberflächlichen Eindruck von dieser Veröffentlichung gewinnen konnte – denn für dieses Buch auch nur einen Bruchteil der geforderten € 24,90 auszugeben, ist dann doch zu viel des Schlechten. Allein in der bereits inkriminierten Verlagsankündigung haben sich schon so viele wimmelbildartige Fehler versteckt, dass wenig Hoffnung auf eine echte Qualitätssteigerung im Buchinneren bleibt (von der politischen Ausrichtung einmal ganz zu schweigen …). Halten wir unter anderem fest: Luther ist keine Deutscher, es war höchstens mal ein Deutscher, und das auch zu Zeiten, als ‚das Deutsche‘ sicherlich etwas anderes meinte als heute. Deswegen konnte das LuttaDada auch kein ‚Nationalheld‘ sein in einer Zeit, in der es die Idee einer Nation noch gar nicht gegeben hatte (das sei dem Gymnasiallehrer für Geschichte einmal ins Hausaufgabenheft geschrieben). Schließlich hat man ‚die Nation‘ erst um 1800 erfunden. Und seither versuchen wir diese Idee krampfhaft wieder loszuwerden, weil sie sich für einige Millionen Menschen als eher wenig gesundheitsfördernd herausgestellt hat. Und zu guter Letzt: Auf dem Cover des Buchs reihen sich hinter dem hitlergrußartig erstarrten Luther verschiedene Vertreter des ‚deutschen Volkes‘ zu einem grimmig dreinblickenden Gruppenbild, darunter auch ‚wackere deutsche Bauern‘, die wohlmöglich gerade von ihrer ‚deutschen Scholle‘ aufgebrochen sind, um der wenig enthusiasmierten Leserschaft die Bundschuh-Fahne aus dem Bauernkrieg entgegenzurecken. Das LuttaDada will ja nicht schon wieder neunmalklug daherkommen, aber waren es nicht Martin Luther und dieser Bauernkrieger, die nicht so richtig miteinander konnten, und war es nicht dieser Luther, der so gänzlich unnational zur Abschlachtung dieser ‚Volksvertreter‘ aufrief? Ich frage ja nur mal …

Man könnte, liebe Demnächst-Vollwertmenschen, die ihr überall nur den halben Eintritt zahlen müssen, man könnte diese Geschichte natürlich auch ganz anders erzählen. Denn merke: Diesen dadaistischen Vorteil sollte man nie aus der Hand geben, dem vermeintlich Gegebenen immer eine hübsche Nase zu drehen! Man könnte also aus dem ‚Propheten der Deutschen‘ problemlos einen Multikukulti-Onkel machen, der sich redend und schreibend mit der ganzen Welt unterhielt, und zwar nicht auf Deutsch, sondern auf Latein. Man könnte betonen, was für eine internationale Universitätsstadt Wittenberg im 16. Jahrhundert war, dass dort Menschen aus allen möglichen Ländern hinkamen, um gemeinsam zu lernen und zu studieren, dass diese internationalen Gäste auch in dem Anwesen lebten, das Luthers Frau Katharina von Bora unterstand, oder dass es nicht wenige Glaubensflüchtlinge aus anderen Ländern gab, die in Wittenberg Schutz suchten und auch fanden. Luther als avantgardistischer Willkommenskulturvorreiter und Migrationsbeauftragter!

Ist aber nur so eine Idee, die, wenn auch nicht unrichtig, ihrerseits wieder einseitig wäre. Daher, liebe Nachwuchsprinzessinnen und Superheldenanwärter, die wichtigste Regel bleibt wohl, Euch nicht den einen Luther als den echten verkaufen zu lassen. Stattdessen: Immer schön nachfragen, den Vertretern in Sachen gesicherter Erkenntnis erstmal nix glauben und ihnen ab und zu ans Schienbein treten. Bleibt neugierig!

Lang lebe das LuttaDada!

LuttaDada 3

Das LuttaDada mag sich kein Urteil darüber erlauben, ob das Gebaren einer Obrigkeit korrekt ist oder nicht. Aber das LuttaDada weiß, dass eine Obrigkeit grundsätzlich hinzunehmen ist, ob nun von Gott oder vom Demos oder von wem auch immer eingesetzt. Daher will das LuttaDada mit kräftiger Stimme bestätigen, dass der neuen Gefahrenabwehrverordnung der Stadt Wittenberg unbedingt Folge zu leisten ist, so wie sie zum 22. März Anno Domini 2017 in Kraft treten wird. Mögen die ordnungsgefährdenden Massen, die in diesem Jahr millionenfach über diese bedauernswerte Kommune herfallen werden, wenigstens die Kassen des Kämmerers ordentlich füllen. Einige reformationsjubiläumsrelevante Widrigkeiten wurden anlassbedingt nochmals verteuert. So müssen alle, die Brunnen, Denkmäler, oder Bäume erklettern, um das LuttaDada besser sehen zu können, ab sofort 30 Euro berappen; das Füttern von Tauben, um das LuttaDada friedlich und gnädig zu stimmen, kostet ebenfalls 30 Euro; das Zelten oder Übernachten in öffentlichen Grünanlagen, um dem LuttaDada stets nahe zu sein, wird mit 50 Euro Buße belegt; und der Verkauf von Waren aller Art, insbesondere von nicht genehmigten Reformationsdevotionalien, macht nochmals 30 Euro. Nur damit das klar ist.

Aber nicht nur die kleine, auch die mittelgroße Politik wendet sich dem LuttaDada zu. Nach diversen Regierungschefs, Präsidentinnen, sogar monarchischen Hoheiten und eben auch dem Wittenberger Ordnungsamt entschloss sich nun auch Thomas Röwekamp, seines Zeichens Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bremer Bürgerschaft, dem Wirken des LuttaDada einige Zeilen im Weser-Kurier zu widmen. Durchaus Löbliches hatte er dort zu verkünden. Wichtigste Forderung des nicht gerade thesenschwachen ehemaligen Innensenators: Bremen darf nicht weiter das Schlusslicht bleiben! Erst recht nicht in Sachen Feiertage! Denn die Hansestadt hat die wenigsten Feiertage aller Bundesländer! Eine weitere Benachteiligung, wenn nicht sogar Beleidigung der urbanen Schönheit in der norddeutschen Tiefebene! Deswegen wäre es nur gerecht, den Reformationstag nicht nur 2017, sondern zumindest in Bremen dauerhaft zu einem arbeitsfreien Tag zu machen. Wacker gesprochen! Der Segen des LuttaDada ist erteilt!

Röwekamp geht jedoch fehl mit seiner Begründung, warum es ausgerechnet dieser Feiertag sein soll: „Wir verdanken der Reformation, dass in unserem Kulturkreis heute Meinungs-, Rede- und Glaubensfreiheit Grundrechte sind.“ Da muss das LuttaDada energisch widersprechen! Das LuttaDada mag ja für einiges gesorgt haben, aber sicherlich war es nie der Meinung, dass alle ihre eigene Meinung haben und auch noch frei äußern sollten – und schon gar nicht sollten sie ihren individuellen Glauben artikulieren können! Wo käme das LuttaDada denn hin, wenn alle teuflischen Papisten, verderbten Wiedertäufer, fehlgeleiteten Zwinglianer, verstockten Juden, aufmüpfigen Bauern und rebellischen Thomas-Müntzer-Anhänger mit einem Mal ebenso recht hätten wie das LuttaDada selbst?! Alle anderen dürfen sich gerne und freimütig äußern, solange es im Sinne des LuttaDada geschieht. Feiertag genehmigt!

All das Jubilieren und Feiern hat aber auch seine Schattenseiten. In der Stadt Jessen, in der unmittelbaren Nähe Wittenbergs gelegen, machen sich Sorgen breit. Denn es drängt sich untrüglich die Frage auf, wie sich die Feuerwehren der Region sinnvoll in das Sicherheitskonzept rund um das große Jubiläum, insbesondere während des großen Festgottesdienstes, einbringen können. Der Bürgermeister von Annaburg, Klaus-Rüdiger Neubauer, meinte in diesem Zusammenhang, „in keinem Fall dürfe an der Grundsicherung geschraubt werden.“ Denn auch in den Nachbargemeinden Wittenbergs, wie zum Beispiel Annaburg, müsse für den Notfall ausreichend Personal und Technik vorhanden sein.

Das LuttaDada sagt: An den Jubiläumsfeierlichkeiten darf aber auch nicht geschraubt werden! Dem LuttaDada, was dem LuttaDada gebührt! Und dazu gehören auch jede Menge Feuerwehren! Denn wie Bürgermeister Neubauer festgestellt hat: Es bleiben nur noch wenige Monate, um die nötigen Absprachen zu treffen. Die Zeit bis dahin, so der Wortlaut des stilistisch tiefschürfenden (wirklich sehr tief schürfenden) Zeitungsartikels, „würden sehr anstrengend und auch sehr emotional.“ Das kann das LuttaDada durchaus nachfühlen, schließlich steht es ja selbst mittendrin, in all den Aufregungen um das Reformationsjubiläum. Und es freut sich schon über eine große Ansammlung emotionalisierter Feuerwehrleute aus dem Wittenberger Umland!

Die Mitteldeutsche Zeitung, der obige Feuerwehrmeldung entnommen ist, hat sich in ähnlicher Weise wie einstmals das LuttaDada dem mächtigen Medium des Buchdrucks bemächtigt, um seine Verlautbarungen in die Welt zu schicken. Das LuttaDada wollte mit seiner Publikationspolitik aber keineswegs bezwecken, dass sich alle ohne Unterschied des veröffentlichten Worts bedienen, ohne offensichtlich genauer darauf zu achten, was dort geschrieben steht. Denn eines sollte sich insbesondere die Mitteldeutsche Zeitung hinter die geknickte Seitenecke schreiben: Was einmal gedruckt in der Welt ist, lässt sich nicht mehr zurücknehmen! Insbesondere im Zusammenhang mit der Stadt Jessen gelingt es diesem Zeitungsorgan eher selten, publizistische Preziosen zu produzieren. Und diese Ausfälle muss das LuttaDada nicht goutieren, selbst (und gerade) wenn es um die Sache der Reformation geht!

Daher möchte ich mit meinem lieben Kollegen TrappatoniDada sagen: Was erlauben Katharina Stahn? (Und falls Sie Katharina Stahn nicht kennen, dann geht es Ihnen wie dem LuttaDada selbst.) Denn Frau Stahn, selbst ernanntes Model mit „Erfahrungen als Gastgeberin“,  hat in der Exerzierhalle von Wittenberg eine „atemberaubende Show“ veranstaltet unter dem Motto „Reformation meets Fashion & Style“ samt der Möglichkeit, „Party zu feiern oder sich in einer Lounge-Ecke zum Quatschen zurückzuziehen oder sich mal eine Beauty-Anwendung zu gönnen“, wie der Beitrag der Mitteldeutschen Zeitung zu verkünden weiß. Stargast ist ein gewisser Keith Tynes, der als Musiker „Erfolge praktisch in der ganzen Welt“ feierte (auf die unpraktischen Erfolge bleiben wir gespannt), und zwar in dieser Reihenfolge (die sich das LuttaDada nicht schöner hätte ausdenken können): „New York, London, Amsterdam, Berlin, Singapur und auch in Wittenberg.“ Ein Welterfolg in Wittenberg! Der erste seit 1517! Das LuttaDada staunt Bauklötze.

Ebenfalls für Unterhaltung „mit musikalischer Spaßgarantie“ soll ein Wittenberger Künstler sorgen, der sich (kein Quatsch) Jan von Suppengrün nennt und der (ebenfalls kein Quatsch) ernsthaft von sich behauptet: „Mein Name ist Programm.“ Na dann, guten Appetit! Stellt sich nur noch die Frage, was das alles mit Reformation zu tun hat. Die Antwort ist recht einfach: nichts. Weitere Niveauabsenkungen im Zusammenhang mit dem Jubiläumsgeschehen wird das LuttaDada zu verhindern wissen. God is on our side!

Bevor wir aber gänzlich in Trübsal verfallen, zum Abschluss noch der obligatorische Programmhinweis zur angemessenen Verehrung des LuttaDada. Diesmal aus einem Ort, dessen Namen man kaum schöner erfinden könnte: Neu Wulmstorf! Dort werden reformwillige Fitness-Einsteiger gesucht (sic! ein Scherz so ganz nach dem Geschmack des LuttaDada), die unter der Anleitung von Lauftrainer Ingolf Böhme nicht nur ihren Körper, sondern auch ihren Geist der Sache des LuttaDada unterwerfen wollen. Passenderweise ist es die örtliche Luther-Kirchengemeinde, die dieses großartige Angebot aufgelegt hat. Acht Wochen lang sollen Anfänger durch die Fischbecker Heide laufen. An Zwischenstationen wird es Wissenswertes über Martin Luther geben, und zwar von Ingolf Böhmes „Co-Trainer“, Pastor Dr. Florian Schneider. Man wird dann wohl erfahren, welches die favorisierten Laufschuhe des Reformators waren, wie es mit seinen Zeiten beim Halbmarathon aussah und wie er sich ernährungsmäßig für das Lauftraining vorbereitete. Schürzt die Talare und schwingt die Schenkel!

Lang lebe das LuttaDada!

LuttaDada 2

Das LuttaDada kann sich freuen. Endlich ist es soweit, endlich ist das Jahr 2017 angebrochen – sein Jahr! Das LuttaDada wird wachsen und gedeihen, denn mit jeder neuen Jubiläumsaktion, die sich die LuttaDadaisten ausdenken aus Anlass dieses 500jährigen Dingsbums, wird es an Bedeutung gewinnen. Die LuttaDadaisierung wird die ganze Welt erfassen! Jawohl, das LuttaDada ist inzwischen anmaßend genug, die Herrschaft über die Welt ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Was ein TrumpDada kann …

Die ersten Anzeichen dieser Weltherrschaft sind unübersehbar. Oder ist irgendjemand der Meinung, es sei ein Zufall ist, wenn eine Gedenkmünze mit dem LuttaDada geprägt werden? Nicht irgendwelche Gedenkmünzen, nein! Auf dieser sieht man das LuttaDada als Superman (oder besser Lutherman) über das Schloss Stolberg fliegen. Da bedarf es keiner weiteren Erläuterung!

Nach dieser eher ungewohnten Art der Fortbewegung beißt das LuttaDada zur Stärkung werbewirksam mit breitem Grinsen, strahlenden Zähnen und einem Gesichtsausdruck, der übergroßen kulinarischen Genuss vermitteln soll, in die neue Luther-Salami. Exklusiv hergestellt von der Firma Naturfleisch Überweißbach. In Bibelform mit aufgedruckter Lutherrose! Auch im Internet zu bestellen! Sola scriptura geht ab sofort durch Magen und Darm!

Derart gestärkt kann sich das LuttaDada der medialen Meute stellen. Jawohl, das LuttaDada hat seine Scheu vor dem öffentlichen Auftritt abgelegt, hat sich aus der Deckung der Reformatoreneinsamkeit herausgewagt, um den ganz großen Medienhäusern exklusive Interviews zu gewähren, die dazu angetan sind, die Welt in ihren Grundfesten zu erschüttern. Denn merke: Wer 95 Thesen kann, kann auch visionäre Interviews! Wir haben uns dazu nur mit ausgewählten Medienpartnern zusammengetan. Ein Interview gibt es daher – wenig überraschend – zu sehen beim Zeitungsverlag Waiblingen, das andere beim unvergleichlich einflussreichen Nachrichtenportal Rhein-Neckar „morgenweb“ (das man irritierenderweise auch noch abends konsultieren kann; nun ja).

Wogegen sich das LuttaDada aber mit aller Vehemenz wehren möchte, ist eine Verbindung mit Ronald Pofalla. Das geht nicht! Ein Pofalla kann nicht in Wittenberg den neuen Bahnhof eröffnen, der für das LuttaDada gebaut wurde. Das will das LuttaDada nicht! Und wenn das LuttaDada etwas nicht will, dann wird es auch nicht geschehen. Auch nicht in der Vergangenheit! Es wird also auch nicht geschehen sein! LuttaDadaisten werden diesen Bahnhof nicht benutzen! Sie werden zu Fuß gehen oder Wittenberg weiträumig umfahren, sie werden mit dem Fallschirm abspringen oder einen Tunnel durch das Erdreich graben, aber sie werden keinen pofallaisierten Bahnhof ansteuern. Das LuttaDada hat gesprochen!

Die gewonnene Zeit bei der Vermeidung dieses Bahnhofs lässt sich sinnvoll investieren bei der Beschreibung eines Wunders. Und nun sage bloß niemand, Wunder könne man entweder nur erleben oder bewirken, aber nicht beschreiben. Die Gemeinde Tambach-Dietharz ist da ganz anderer Meinung! Dort soll das LuttaDada nämlich im Jahre des Herrn Eintausendfünfhundertsiebenunddreißig von einem Leiden an den Nieren geheilt worden sein. Aber wie nur geschah dieses Wunder? Und wie konnte es geschehen, obwohl das mit dem Wunderglauben im LuttaDadaismus ja so eine ganz eigene Sache ist? Einigen ordentlich angestellten LuttaDadaisten scheint diese Frage keine Ruhe zu lassen. Pfarrer Gregor Heidbrink aus Finsterbergen – wir alle kennen seinen Krimi „Der gute Mensch von Düsteroda“ – hat mit einigen wackeren Mitstreitenden einen Preis ausgelobt, mit dem ein Text ausgezeichnet werden soll, in dem das Geheimnis kriminalschriftstellerisch gelüftet wird. Das LuttaDada ist insbesondere erfreut über den Abgabetermin für die Texte: 1. April 2017!

Krimis gut und schön – aber muss eine so todernste Sache wie die weltweite Verbreitung des LuttaDadaismus unbedingt auf das Niveau von Kinderspielzeug herabgedrückt werden? Ist denn nur noch Spaß angesagt, wenn es um fundamentale Fragen wie das Seelenheil geht? Es scheint so. Möge es der angemessenen Infiltrierung der Jungendbewegung des LuttaDadaismus (JLD) dienen. Das LuttaDada gibt es nun als „Quiz zu Kirche, Kultur und Konfessionen“. Das LuttaDada gibt es als „Martin Luther – Das Spiel“ mit Proviantkarten, Erfahrungssteinen, Abdeckplättchen, Porträtplättchen, Wegeringen und – besonders einladend – ‚Cranach malt‘-Plättchen. Auf die existentielle Dimension des reformatorischen Vorgangs wird zumindest insofern hingewiesen, als unter Dreijährige an diesem Spiel nicht beteiligt werden sollten. Verschluckungs- und Erstickungsgefahr! Ein Tiefpunkt papistisch-dadaistischer Propaganda ist allerdings das Spiel „Mea Culpa“. Dort, so musste das LuttaDada erfahren, wird doch allen Ernstes um die möglichst gelungene Art des Ablasshandels gestritten, mit der man sich der Himmelspforte nähern soll. Das lehnen wir ab! Dieses Spiel wird sofort verboten! Die Mission des LuttaDada ist noch lange nicht beendet!

Auch heute will das LuttaDada nicht darauf verzichten, einige Veranstaltungshinweise zu geben. Dieses Mal: Das Weltereignis in Blaubeuren! Es locken lustige Liederabende unter dem Motto „Luthers Laute“. Heranwachsende aus der Blaubeurer Jungschargruppe haben spezielle Angebote vorbereitet (auch wenn man hier noch nicht spezieller werden wollte). Außerdem fragt man in Blaubeuren investigativ nach: Ein Bilderverbot in der Bibel? Bedauerlich ist allerdings, dass man sich ansonsten vor Ort vor allem auf den Dialog mit den Menschen freut. Traurig, traurig, unter welchen Ausgrenzungserfahrungen die Tierwelt bei diesem Reformationsjubiläum einmal mehr zu leiden hat. Und was bei den 500-Jahr-Feierlichkeiten niemals und unter gar keinen Umständen fehlen darf, auch nicht in Blaubeuren, ist das Herzstück einer jeden Reformationsjubiläumsveranstaltung, die Krone in jedem Gemeindeprogramm: Kochen wie zu Luthers Zeiten! Guten Appetit!

Lang lebe das LuttaDada!

 

LuttaDada 1

Was ist das LuttaDada? Das LuttaDada kommt in vielerlei Gestalt daher. Es passt sich amöbig den Verhältnissen und Gegebenheiten und Erfordernissen an. Das LuttaDada ist immer und überall. Das LuttaDada ist immer da (und immer dada) und trotzdem nie zu greifen.

So schillert das LuttaDada in allerlei Farben. Auch im Münsterland! Denn das Martin – jawohl, man ist mit dem LuttaDada zuweilen schon so vertraut, dass man es beim Vornamen anspricht –, also dieses Martin ist im Münsterland nicht einfach nur ein Mensch. Nein, es ist Plastik, es ist 2,50 Meter groß, es wiegt 50 Kilogramm, und es erscheint in weißer Gestalt. Aber das Schönste: Es kann von innen leuchten! Das LuttaDada wird bunt! Man darf damit auch spielen, sprachen die Münsteraner LuttaDadaisten, man darf es bemalen, ankleiden, mit Zetteln behängen … Einige PapistenDadaisten wollten wohl nicht spielen. Sie schmissen das weiße große LuttaDada einfach in den nächstgelegenen Vorgarten. Auch keine Lösung!

Was aber ein lebensfroher Reformator ist – und nicht anders wollen wir unser LutterDada sehen –, das lässt noch viele weitere Blüten in einem bunten Strauß hübscher Ideen blühen. So schreit der Kraftakt der Reformation geradezu nach einem nicht minder kräftigen Schluck aus einem Krug Luther-Halbe. Jawohl, in Deutschland trinkt ein LuttaDada Bier! Es muss sogar viel Bier trinken, denn für das LuttaDada wird eifrig gebraut. Nicht nur in Amberg! Und was der Amberger kann, das kann der Ulmer allemal. Dort kann man sogar saufen für den guten Zweck. Martin-Luther-Bier, mehr Stammwürze, nur 500 Kästen, jetzt oder nie! Der Erlös geht an die Ärmsten der Armen: an die Ulmer Luther-Gemeinde.

Kaum wieder ernüchtert, muss das LuttaDada – durchaus missvergnügt – zur Kenntnis nehmen, dass in sich in diesem Land inzwischen einige Menschen erfrechen, in der Gewandung des LuttaDada aufzutreten, ja, sich sogar als das LuttaDada selbst auszugeben. Wir werden von einem Imitat imitiert! Die Wahl zum Mister Luther für das Lutherjahr 2016/17 hat der so bezeichnete „Berufsluther“ Bernhard Naumann gewonnen. Auserkoren vom ehrwürdigen Stadtmarketing Wittenberg. Naumann fällt nun das schwere Amt zu, dem unvergleichlichen LuttaDada für die kommenden Monate Gestalt und Gesicht und Stimme zu geben. Dazu: Glückauf! Ihm zur Seite gestellt wurde eine LuttaDada-Gattin. Wie passend. Aber auch sie selbstredend: ein Imitat.

Das LuttaDada will es nicht verabsäumen, die wichtigsten Veranstaltungshinweise für die kommenden Monate mitzuteilen. Dieses Mal: Südharz! Was das LuttaDada allein dort alles auf die Beine stellt: Essen wie bei Luthers! Luthers Freunde zu Gast im Südharz (auch mit Essen)! Ein nicht ganz historischer Besuch Martin Luthers (gibt’s da Essbares?)! Einweihung des Luther-Zimmers in Wülfingerode (da muss aber gegessen werden)! Poesie und Reformation in Liebenrode (mit Geplauder und mit Abendbrot)! Harzblick Wandermarathon (offenbar reformationsfrei; Essen selbst mitbringen)!

Und was ein wahres und großes LuttaDada ist, das fährt nicht mehr in ollen Karossen über Land (auch nicht in den Südharz), nein, das braust in einem Hochgeschwindigkeits-ICE der vierten Generation durchs Gelände, so dass es von niemandem gesehen werden kann, aber auch selbst nichts mehr sieht. Das ist von außen gar kein Zug mehr, das ist eine weiße Linie, die durch die Geographie schießt. Und von innen ist’s keine Landschaft mehr, sondern huschende grün-graue Fläche, die vorbeifliegt. Vielleicht geht so ja auch das ganze Jubilieren schneller vorbei? Wohl kaum. Denn irgendwann wird auch dieser ICE auf freier Strecke ungewollt zum Halten kommen. Störungen im Betriebsablauf. Dann steht er da und kann nicht anders.

Aber dann kann das LuttaDada in seinen Überseereisekoffer greifen und eine der revidierten Bibelausgaben herausziehen, eingehüllt in einen von Prominenten unnachahmlich gestalteten und in einer einmaligen Edition erhältlichen Bibelschuber. Ins Werk gesetzt von ausgewiesenen Anhängern des LuttaDada, von wahren Bibelexperten, von echten Designgrößen: Jürgen Klopp! Uschi Glas! Harald Glööckler! Und anderen Unbekannten! Für 39,99 Euro! Ist das nicht großartig, ist das nicht wunderschön? – Nein, wohl eher nicht.

Lang lebe das LuttaDada!

 

Nachweise: Luther unter den Bögen (Westfälische Nachrichten, 25.10.2016); Statue von Martin Luther in fremden Vorgarten geschleppt (Neue Osnabrücker Zeitung, 31.10.2016); Eine Halbe für Martin Luther (Onetz, 28.09.2016); Brauerei Gold Ochsen: Fassanstich mit Martin-Luther-Bier (aboutdrinks.de, 24.10.2016); Lutherpaar 2017 (Mitteldeutsche Zeitung, 30.10.2016); 12 Schritte zum Reformationsjubiläum (Neue Nordhäuser Zeitung, 25.10.2016); Ein ICE namens Martin Luther (deutschebahn.com); Prominente und die Lutherbibel (Deutsche Bibelgesellschaft)